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Die Weltfinanzkrise
19.11.2011, 01:45 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 10.12.2011 11:43 von RaAkAshAriel.)
Beitrag #1
[Bild: merkel_DW_Politik__1510924p.jpg]

Ein Arbeitspapier der Bundesregierung elektrisiert Großbritannien. Darin will Berlin die geordnete Staatsinsolvenz ermöglichen und einen Europäischen Währungsfonds schaffen.

Es kommt nicht oft vor, dass britische Medien Papiere der Bundesregierung ausgraben. Wer immer ihnen diese Vorlage zugespielt hat, der wusste, wie die Briten reagieren würden.

Sie waren sofort so sehr elektrisiert, dass sie das Schreiben sogleich ins Englische übersetzten und ins Internet stellten. Deutschland wolle den „europäischen Superstaat“ schaffen, schreibt der „Telegraph“.

„Es bestätigt Befürchtungen, dass die deutschen Pläne in der Euro-Krise zu einem europäischen Superstaat führen könnten, in dem die Finanz- und Steuerpolitik in Brüssel gemacht wird.“ Die britische "Financial Times" spricht von einer „signifikanten Menge an Details, wie Berlin die ökonomische Regierung der Euro-Zone verändern will“.

Pläne für den finanzpolitischen Aufbau eines neuen Europa


Das sechsseitige Papier trägt den Titel „Zur Zukunft der EU: Erforderliche integrationspolitische Fortschritte zur Schaffung einer Stabilitätsunion“. Und es ist tatsächlich auch ein Papier der Bundesregierung, nur stammt es nicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel, sondern von ihrem Außenminister Guido Westerwelle. Der FDP-Politiker verschickte es am 20. Oktober 2011 an die Mitglieder der Unionsfraktion, wo es dann unbeachtet unterging.

Dabei bietet das Papier dem aufmerksamen Leser einiges, konkretisiert es doch Pläne für den finanzpolitischen Aufbau eines neuen Europa.

Beim Durchlesen wird schnell wird deutlich, dass die bereits bestehende Behörde EFSF und der für das kommende Jahr geplante Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) noch lange nicht das letzte Wort sein könnten.

Aus dem mit einem Volumen von 700 Milliarden Euro ausgestatteten ESM, den der Bundestag im kommenden Frühjahr beschließen soll, will Westerwelle schnellstens einen Europäischen Währungsfonds (EWF) machen, der direkt in die Haushaltsrechte der Eurostaaten eingreifen kann.

„Das Instrumentarium des ESM ist nicht ausreichend“, heißt es in seinem Papier. „Er benötigt ebenfalls echte Durchgriffsrechte in die nationalen Haushaltsrechte derjenigen Euro-Mitgliedstaaten, die sich im Rahmen eines ESM-Programms befinden und somit potentiell die Stabilität der Eurozone gefährden.“

Und dann folgt der Satz, in dem die Briten, aber auch US-Beobachter eine Abkehr der bisherigen Rettungspolitik sehen: „Der ESM muss zudem in der Lage sein, eine geordnete Insolvenz eines dauerhaft zahlungsunfähigen Eurostaates durchzuführen. Der ESM würde durch diese beiden Schritte zu einem echten „EWF“.

Geordnete Insolvenz


Da ist sie wieder, die geordnete Insolvenz. Diesmal kommt sie nicht als Randbemerkung des Wirtschaftsministers daher, sondern ist in strategisches Papier der Regierung eingebettet.

Weiter schreibt Westerwelle: „Für Mitgliedstaaten, die sich innerhalb eines ESM-Programms befinden und bei denen festgestellt wird, dass die Schuldentragfähigkeit nicht mehr gegeben ist, ist die Möglichkeit von Eingriffen in den Haushalt nicht ausreichend. Deshalb muss es zusätzlich die Möglichkeit einer geordneten Staateninsolvenz geben, um die Belastung der Steuerzahler (der anderen Euro-Mitgliedstaaten) zu reduzieren und auch um die Möglichkeit für einen Neustart des betroffenen Landes zu schaffen.“

Geplant ist außerdem sogar ein „Stabilitätskommissar“. Diese Position soll mit großen Machtbefugnissen ausgestattet sein. Vorgesehen sind – wie beim Europäischen Währungsfonds - „direkte Durchgriffsrechte in nationale Haushalte von Eurostaaten“.

Ein Kurswechsel?


Und auch die privaten Gläubiger will die Bundesregierung in die Pflicht nehmen. „Die im jetzigen ESM-Vertrag vorgesehene Möglichkeit einer Beteiligung privater Gläubiger durch sogenannte „Collective Action Clauses“ (CACs) ist nicht ausreichend“, schreibt der Außenminister.

All das ist ohne eine Änderung des Grundgesetzes und der Europäischen Verträge nicht möglich. Zur Änderung der Europäischen Verträge soll ein Konvent einberufen werden, schlägt Westerwelle vor.

„Ein solcher Konvent sollte zügig Vorschläge innerhalb seines engen finanzpolitischen Mandats vorlegen, die anschließend von einer Regierungskonferenz beschlossen werden“, so der Außenminister. Schon in wenigen Jahren könnten die Neuerungen umgesetzt werden.

Deutet dieses Schreiben aber, wie die Briten unterstellen, einen Kurswechsel an, weg von der Bailout-Politik hin zur geordneten Insolvenz?

Das ist schwer zu sagen. Was darin geschrieben steht, ist zunächst einmal der Kurs des Außenministers. In anderen Kernministerien, etwa bei Finanzminister Wolfgang Schäuble, scheint es keine Rolle zu spielen. Von dort erhielt „Welt Online“ die lapidare Antwort, das Papier sei nicht bekannt.

http://www.welt.de/politik/deutschland/a...staat.html

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27.11.2011, 10:17
Beitrag #2
Deutschland und Frankreich wollen nicht mehr auf eine Einigung aller Länder warten: Notfalls würden sie mit einem neuen Stabilitätspakt innerhalb der Währungszone vorpreschen.

Kein Tag ohne weitere Schreckensmeldungen zur Euro-Krise. Deshalb greifen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy jetzt zu drastischen Mitteln. Nach Informationen der „Welt am Sonntag“ wollen sie im Eiltempo einen neuen Stabilitätsvertrag für Euro-Staaten erzwingen.

Deutschland und Frankreich sind nicht mehr gewillt, auf eine Einigung aller EU-Länder zu warten. Notfalls wären sie bereit, mit einigen Ländern voranzugehen und so innerhalb der Währungszone eine Art Klub der Super-Europäer zu gründen, deren Mitglieder sich strengen Sparauflagen unterwerfen.

Ihren Krisenbekämpfungsplan könnten Merkel und Sarkozy bereits im Laufe der kommenden Woche verkünden, hieß es in Regierungskreisen. Bisher hatten die beiden Politiker nur angekündigt, bis zum Europäischen Rat am 8. Dezember Vorschläge für eine Änderung der europäischen Verträge machen zu wollen.

Doch was sie nun in Geheimverhandlungen besprechen, geht weit darüber hinaus: Da ihnen eine Änderung des bestehenden EU-Vertrags zu lange dauert, sollen die Euro-Staaten untereinander zusätzlich einen neuen Stabilitätspakt beschließen. Der ließe sich, so die Hoffnung, bereits bis Anfang kommenden Jahres umsetzen.

Ähnlich wie beim Schengener Abkommen, mit dem der Wegfall der Grenzkontrollen geregelt wurde, könnten sich einige Staaten innerhalb der EU Sonderregeln geben. Zwischen ihnen würde ein Vertrag geschlossen, der strenge Defizitauflagen und Kontrollrechte für nationale Haushalte vorsieht. Merkel und Sarkozy wollen also eine Koalition der Sparwilligen gründen. Damit demonstrieren sie ihre Entschlossenheit, das Schuldenproblem schnell und umfassend anzugehen.

Der Plan enthält allerdings auch einen heiklen Punkt: Die Europäische Zentralbank (EZB) soll verstärkt als Krisenbekämpfer in der Euro-Zone auftreten. Durch den Kauf von Staatsanleihen könnte sie die Zinsen für die Euro-Staaten niedrig halten.

Zwar ist die EZB unabhängig, die Regierungen können ihr also keine Anweisungen erteilen. Doch die Erwartungshaltung ist klar: „Nach diesen Maßnahmen dürfte es innerhalb der EZB eine Mehrheit geben, die zu stärkeren Interventionen am Kapitalmarkt bereit ist“, hieß es in Berlin. Und ein Notenbanker bestätigt: „Wenn sich die Politik zu einem wirklich umfassenden Schritt durchringt, wird die EZB einspringen und helfen.“

Verpflichtungen für Deutschland von bis zu 560 Milliarden


Deutschland war bisher gegen ein dauerhaftes Eingreifen der Zentralbank. Die EZB kauft bereits seit Beginn der Euro-Krise massenhaft Anleihen von Wackelkandidaten wie Griechenland und nun vor allem von Italien und Spanien. Deutschland trägt dabei ein hohes Risiko, es hat den größten Anteil am EZB-Kapital.

Ohnehin steht die Bundesrepublik bereits mit einer Summe im Feuer, die das Volumen des gerade verabschiedeten Bundeshaushalts für das kommende Jahr (306 Milliarden Euro) um mehr als 80 Prozent übersteigt. Das zeigt eine neue Berechnung des Münchener ifo-Instituts, die der „Welt am Sonntag“ vorliegt. Bei einem Zahlungsausfall der Krisenländer Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien kämen auf den deutschen Staat Zahlungsverpflichtungen im Umfang von bis zu 560 Milliarden Euro zu, haben die ifo-Experten errechnet.

Zudem gibt es hierzulande auch ganz grundsätzliche Einwände gegen eine EZB-Feuerwehr: Letztlich würde die Zentralbank die Schuldenkrise nämlich mit der Notenpresse bekämpfen. Eine solche monetäre Staatsfinanzierung ist mit der deutschen Stabilitätskultur nicht vereinbar. Eine steigende Inflation könnte die folge sein.

Merkel hatte es deshalb bisher abgelehnt, dass die EZB noch länger am Kapitalmarkt interveniert. Doch zuletzt wurde sie immer heftiger bedrängt: Neben Frankreich und vielen südeuropäischen Staaten fordern auch Großbritannien und die USA den Einsatz der Zentralbank. Zumal sich die deutsche Kanzlerin auch der zweiten von vielen propagierten Lösungen verweigert: Euro-Bonds.

Die Bundesregierung wird jedoch nicht nur von ihren EU-Partnern unter Druck gesetzt. Es wird immer deutlicher, dass die Finanzmärkte den Europäern nicht mehr viel Zeit gewähren. Die Anleiheverkäufe der EU-Staaten liefen die ganze Woche über desaströs. Italien musste Rekordzinsen in Höhe von 7,8 Prozent zahlen – so viel wie nie seit dem Euro-Start.

Auch Deutschland patzte am Kapitalmarkt. Bei einer Auktion von Bundesanleihen am Mittwoch konnten nur zwei Drittel des Gesamtvolumens von sechs Milliarden Euro abgesetzt werden. Mit nur 1,98 Prozent Zinsen bot der Bund den Anlegern zu wenig. Angesichts des ehrgeizigen Preises war der Käuferstreik kein Debakel, aber ein deutliches Warnsignal.

In den kommenden Wochen stünden noch große Anleiheverkäufe vieler Euro-Staaten bevor, die zu platzen drohten, heißt es sorgenvoll in Regierungskreisen. Merkel sieht sich offenbar gezwungen zu reagieren – und zwar schnell. Deshalb scheint sie bereit zu sein, den Widerstand gegen eine stärkere Inanspruchnahme der EZB aufzugeben. Gleichzeitig soll verhindert werden, dass die Hilfe der Notenbank zu nachlassendem Spareifer in den Mitgliedsländern führt.

Anders als der neue Stabilitätspakt würde die Änderung der EU-Verträge hingegen mindestens ein Jahr dauern – aber auch daran soll parallel festgehalten werden. Über eine Änderung des Protokolls Nummer 14, in dem Angelegenheiten der Euro-Zone geregelt sind, hoffen sie eine begrenzte Vertragsänderung relativ zügig umsetzen zu können. Das würde dann verpflichtend für alle europäischen Staaten gelten.

Ansonsten bestünde die Gefahr, dass der Währungsraum in zwei Teile zerfällt: Merkels und Sarkozys Koalition der Sparwilligen und die restlichen Euro-Staaten. Eine solche Teilung sei nicht Ziel der Bundesregierung, heißt es.

http://www.welt.de/politik/ausland/artic...paeer.html

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28.11.2011, 11:38
Beitrag #3
[Bild: HBAtK0s3_Pxgen_r_300xA.jpg]

Einem Bericht zufolge arbeitet die Bundesregierung an gemeinsamen Anleihen mit anderen „AAA“-Staaten. Auch Krisenstaaten könnten von dem Eliteclub profitieren, hieß es. Regierungsvertreter dementieren aber bereits.

Das Ziel der neuen Bonds wäre es, die Lage der sogenannten „AAA“-Länder – neben Deutschland auch Frankreich, Finnland, die Niederlande, Luxemburg und Österreich – zu stabilisieren und zugleich „einen glaubwürdigen Schutzwall zu errichten, der die Finanzmärkte beruhigt“. Dies berichtet die Zeitung „Die Welt“ am Montag unter Berufung auf hohe EU-Diplomaten.

Die Pläne seien Teil eines Konzepts der Bundesregierung, bei dem sich im Rahmen eines Euro-Sondervertrags zunächst nur wenige Euro-Staaten auf eine strengere Haushaltskontrolle und eine stärker verzahnte Finanzpolitik verständigen. Für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt demnach eine Umsetzung aber nur dann infrage, wenn nicht alle 27 EU-Staaten der von ihr geforderten Änderung der EU-Verträge verbindlich zustimmen.

Deutschland und Frankreich wollen unter den europäischen Partnerländern so schnell wie möglich eine Einigung über Änderungen der europäischen Verträge erzwingen. In deutschen Regierungskreisen wurden am Wochenende zwar Berichte über Geheimverhandlungen mit Frankreich dementiert, mit denen ein neuer Stabilitätsvertrag – notfalls nur unter einer Gruppe von Euro-Ländern – durchgedrückt werden soll. Unbestritten blieb aber, dass Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy schon im Vorfeld des EU-Gipfels am 8. und 9. Dezember gemeinsame Vorschläge für begrenzte Vertragsänderungen in die Diskussion einbringen wollen und dazu am liebsten bereits erste Festlegungen treffen möchten.

Auch Krisenländer sollen profitieren

Die neuen Bonds wären keine Gemeinschaftsanleihen aller 17 Euro-Länder, also Euro-Bonds im klassischen Sinn – ausdrücklich sollten Euro-Krisenländer und Länder mit eingeschränkter Kreditwürdigkeit zunächst außen vor bleiben. Darum würden diese Anleihen auf Arbeitsebene auch als „Elite-Bonds“ oder „AAA-Bonds“ bezeichnet.

Mit dem Geld könnten nach Angaben aus Verhandlungskreisen jedoch nicht nur die Schulden der „AAA“-Länder finanziert werden, sondern gegen strenge Auflagen auch Hilfen für Krisenländer wie Italien und Spanien. Beim Kauf der neuen Bonds solle die Finanzagentur des Bundes eine zentrale Rolle spielen. Der Zinssatz der neuen Anleihen solle zwischen zwei und 2,5 Prozent liegen.

Ob sie tatsächlich realisiert werden, blieb am Montagmorgen indes fraglich: Regierungsvertreter dementierten die Meldung postwendend. „Es gibt keine Elite-Bonds“, sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums. Ein solches Instrument sei auch nicht in der Diskussion für Notfälle. „Wir arbeiten intensiv an einer Stabilitätsunion“, so der Sprecher. „Diese wollen wir durch Vertragsänderungen sicherstellen, indem wir vorschlagen, dass die Haushalte der Mitgliedstaaten feste Grenzen von Verschuldung einhalten müssen. Und wenn sie das nicht tun, soll die EU-Kommission sie zurückweisen können und sie würden nicht genehmigt. Hierfür ist eine Vertragsänderung erforderlich, die wir aber schnell erreichen können.“

http://www.focus.de/finanzen/news/staats...88440.html

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28.11.2011, 10:09
Beitrag #4
Wenn man sich so umschaut, ist der Euro-Crash wohl nicht mehr weit:

"Bankenaufsichten bereiten sich weltweit auf Euro-Crash vor

Finanzmarkt-Regulatoren treffen konkrete Vorbereitungen für den Fall des Auseinanderbrechens des Euro. In Asien hat die Finanzmarktaufsicht die Überwachung verschärft. Die Investmentbank Merrill Lynch beschäftigt sich sogar schon mit der Frage, welche Währungen in diesem Fall auf- oder abgewertet werden."

http://www.deutsche-mittelstands-nachric.../11/33718/

"Prepare for riots in euro collapse, Foreign Office warns

British ministers privately warned that the break-up of the euro, once almost unthinkable, is now increasingly plausible.
Diplomats are preparing to help Britons abroad through a banking collapse and even riots arising from the debt crisis. "

http://www.telegraph.co.uk/news/politics...warns.html

"Irland denkt an Pläne für Kollaps der Euro-Zone

Die irische Regierung hat über Notfallpläne für einen Zusammenbruch der Euro-Zone nachgedacht. "

http://www.cash.ch/news/alle/irland_denk...105364-448

Galaxy

Fiat iustitia et pereat mundus
Es geschehe Recht, auch wenn die Welt darüber zugrunde geht.
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29.11.2011, 02:21 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 29.11.2011 02:21 von RaAkAshAriel.)
Beitrag #5
Die Rating-Agenturen sprechen den Politikern weltweit ihr Misstrauen aus. Fitch droht den USA mit dem Entzug der Top-Note, Standard & Poor's will laut einem Zeitungsbericht den Ausblick für Frankreich senken. Der Vorwurf: Die Regierungen bekommen ihre Schulden einfach nicht in den Griff.

New York/Frankfurt am Main - Den führenden Wirtschaftsnationen der Welt steht ein harter Winter bevor. Die großen Rating-Agenturen glauben nicht daran, dass die Regierungen ihre Schuldenprobleme lösen können - und erhöhen den Druck auf die Politik: Frankreich droht der Verlust der Top-Bonität, auch die USA könnten erneut herabgestuft werden. Gleichzeitig kühlt sich die Wirtschaft weltweit merklich ab, ein ausgeglichener Haushalt rückt für die meisten Staaten dadurch noch weiter in die Ferne. In ihrer Verzweiflung drängen einige Euro-Länder ihre Banken zur Hilfe. Diese sollen ihnen weiter Staatsanleihen abkaufen.

Laut einem Zeitungsbericht könnte die Rating-Agentur Standard & Poor's in den kommenden zehn Tagen den Ausblick für Frankreichs Spitzenbonität auf "negativ" senken. S&P habe dies der französischen Zeitung "La Tribune" zufolge bereits am vergangenen Freitag mitteilen wollen, die Ankündigung aber aus unbekannten Gründen verschoben. Die Zeitung stützt ihren Bericht auf "mehrere Quellen", ohne konkret zu werden. Ein S&P-Sprecher wollte sich nicht zu dem Bericht äußern.

Bereits vor wenigen Wochen hatte die Agentur für erhebliches Aufsehen gesorgt, als sie die AAA-Note Frankreichs versehentlich herabstufte. S&P begründete den Missgriff mit einem Computerfehler. Nun würde die Agentur jedoch nur nachziehen - die Konkurrenten von Fitch und Moody's haben ihren Ausblick für Frankreich bereits gesenkt.

Fitch kritisiert das Scheitern der Sparverhandlungen in den USA

Die Staatsanleihen des wirtschaftlich zweitstärksten Euro-Landes hatten zuletzt heftige Kursverluste verbucht, Frankreich konnte sich nur gegen hohe Zinsen neue Schulden beschaffen. Der Kurs des Euro tendierte als Reaktion auf die Meldung kurzzeitig etwas schwächer.

Auch die USA bekommen den Druck der Bonitätswächter zu spüren. Nun hat auch die Rating-Agentur Fitch damit gedroht, der größten Volkswirtschaft der Welt das AAA-Rating zu entziehen - sie senkte den Ausblick für die Kreditwürdigkeit auf "negativ".

Die Agentur gab für ihre Entscheidung zwei Gründe an: Zum einen sei die Politik unfähig, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die öffentlichen Finanzen zu sanieren - erst kürzlich waren die Verhandlungen zwischen Demokraten und Republikanern im sogenannten Super-Kongress über ein Konzept für den Schuldenabbau gescheitert.

Zum anderen seien die Aussichten für das Wachstum in den USA unsicher. Solange die wirtschaftlichen Kapazitäten nicht ausgelastet würden und die Arbeitslosigkeit hoch bleibe, steige laut Fitch das Risiko, dass Produktionsverluste und Steuerausfälle höher als bisher erwartet ausfallen könnten. Bis zum Ende des Jahrzehnts könnte der US-Schuldenstand von derzeit rund 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 110 Prozent steigen. Bereits im August hatte Standard & Poor's den USA die Top-Note entzogen, allerdings hatte dies keine negativen Auswirkungen auf die Attraktivität von US-Staatsanleihen - im Gegenteil: In der Euro-Krise gelten die US-Bonds als sicherer Hafen für Anleger.

Euro-Staaten zwingen ihre Banken zum Anleihenkauf

Immer mehr Euro-Länder können neue Staatsanleihen dagegen nur noch zu Rekordzinsen ausgeben - nun versuchen einige von ihnen offenbar, ihre heimischen Banken stärker in die Pflicht zu nehmen, um an frisches Kapital zu kommen. So hätten zum Beispiel Italien und Portugal den Druck auf die inländischen Banken erhöht, den Ausverkauf von Staatspapieren nicht fortzusetzen und auch wieder als Käufer solcher Papiere aufzutreten, heißt es in einem Bericht des "Wall Street Journal Europe" unter Berufung auf Insider.

Auf diese Weise solle die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage bei den Versteigerungen der Anleihen kleiner und die Zinsen so auf ein erträgliches Maß gedrückt werden. Am Dienstag will Italien in großem Umfang neue Anleihen begeben, am Donnerstag folgt Spanien.

Allerdings stehen auch die europäischen Banken selbst unter Druck - und unter verschärfter Beobachtung der Rating-Agenturen. So könnte Moody's bald die nachrangigen Schulden von 87 Banken aus 15 europäischen Staaten herabstufen. Unter den nachrangigen Schulden versteht man jene Verbindlichkeiten, die bei einer möglichen Insolvenz einer Bank als Letztes bedient werden und daher mit einem höheren Risiko behaftet sind.

Sollten die Institute in finanzielle Schieflage geraten, seien ihre Regierungen möglicherweise zu knapp bei Kasse, um ihnen zu helfen, erklärte die Agentur. Betroffen von der Überprüfung seien vor allem zahlreiche Banken in Spanien, Italien, Österreich und Frankreich, jedoch kein deutsches Institut.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziale...61,00.html

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29.11.2011, 02:48
Beitrag #6
Hohe Verluste zwingen die amerikanische Fluglinie Gläubigerschutz zu beantragen. Passagiere müssen nicht mit Einschränkungen rechnen.

Die ins Trudeln geratene drittgrößte US-Fluggesellschaft American Airlines will sich unter Gläuberschutz neu aufstellen. Das Unternehmen teilte mit, die Muttergesellschaft AMR habe für sich und die Tochter ein Insolvenzverfahren nach Kapital 11 der US-Gesetze beantragt.

American Airlines wolle damit unter dem Schutz vor einem Zugriff der Gläubiger seine Kosten senken und die Verschuldung abbauen. Für die Kunden werde sich während dieses Prozesses nichts ändern.

Der Flugplan laufe unverändert weiter. Firmenchef Thomas Horton erklärte, er sei zuversichtlich, dass American Airlines gestärkt aus der Restrukturierung hervorgehen werde. Die hohen Spritpreise und Währungsschwankungen hatten die drittgrößte US-Fluggesellschaft nach United Continental und Delta zuletzt in die Verlustzone gedrückt.

http://www.welt.de/wirtschaft/article137...nz-an.html

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29.11.2011, 03:28
Beitrag #7
Der Wirtschaftsexperte Gerken rechnet mit einer Inflation von rund zehn Prozent in der Euro-Zone. EU und EZB nehmen die Geldentwertung in Kauf.
Angesichts der europäischen Schuldenkrise hat der Ökonom Lüder Gerken vor einer Inflationsrate von knapp unter zehn Prozent in der Euro-Zone gewarnt.


Er rechne damit, dass die meisten Regierungen in der Euro-Zone und die Europäische Zentralbank (EZB) politisch eine Inflationsrate von knapp unter zehn Prozent in Kauf nähmen, „in der Hoffnung, dass die Deutschen dabei nicht allzu sehr aufmucken“, sagte der Vorsitzende des Freiburger Centrums für Europäische Politik der „Neuen Osnabrücker Zeitung".Inflationsgefahr drohe insbesondere, wenn die EZB den bereits begonnenen Aufkauf von Staatsanleihen hilfsbedürftiger Euro-Länder stark ausweite.

Der Wirtschaftsprofessor warnte zudem vor einer Ausgabe gemeinsamer europäischer Staatsanleihen, der sogenannten Euro-Bonds. „Damit würden die Anreize in den hilfsbedürftigen Staaten deutlich gesenkt, sich zu reformieren und wettbewerbsfähige Wirtschaftsstrukturen aufzubauen“, sagte Gerken, der auch Vorstandsvorsitzender der Stiftung für Ordnungspolitik ist.

Kritisch äußerte sich Gerken ebenfalls zu den sogenannten Elite-Bonds für Euro-Staaten mit hoher Kreditwürdigkeit. „Es bestünde die Gefahr, dass sie doch auf hilfsbedürftige Staaten ausgedehnt würden.“ Die Frage sei, welchen Nutzen gemeinsame Anleihen wirtschaftlich starker Euro-Staaten hätten, wenn nicht den, marode Euro-Staaten zu stützen.

Die Bundesregierung hatte zuvor einen Bericht von "Welt Online" über die Einführung gemeinsamer Anleihen der sechs Euroländer mit der höchsten Kreditwürdigkeit dementiert. Es gebe keine Planungen für „Elite-Bonds“, sondern es werde weiter an einer „Stabilitätsunion“ gearbeitet, erklärte das Bundesfinanzministerium.

http://www.welt.de/wirtschaft/article137...-Zone.html

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29.11.2011, 06:00
Beitrag #8
Wird auch Zeit, dass die Frankreich und USA herabstufen. Frag mich sowieso, wie die noch das Top-rating halten können. Da müssen schon einige schmiergelder geflossen sien


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29.11.2011, 08:10
Beitrag #9
Einem Bericht zufolge hat Großbritannien seine Botschaften in Europa aufgefordert, Hilfspläne für Briten nach einem möglichen Zusammenbruch des Euro zu erstellen.

In der britischen Regierung werden offenbar bereits konkrete Szenarien für einen Zusammenbruch des Euros durchgespielt. Dabei rechnen sie angeblich sogar mit sozialen Unruhen. Wie die britische Zeitung „The Telegraph“ berichtet, seien die britischen Botschaften in Europa bereits angewiesen worden, konkrete Hilfspläne für ihre Landsleute zu erstellen.

Der bereits am 25. November veröffentlichte Beitrag ist bis heute in Deutschland weitgehend unbemerkt geblieben. „Während die italienische Regierung um neue Kredite ringt und Spanien ernsthaft überlegt, ausländische Hilfe anzufordern, haben britische Minister auf privater Ebene davor gewarnt, dass der Zerfall des Euro, einst undenkbar, heute zunehmend plausibel wird“, schreibt der „Telegraph“.

Britische Diplomaten bereiteten sich bereits auf den Ernstfall vor. Dazu zähle Hilfe bei einem Banken-Kollaps. Es würden aber auch Rettungsmaßnahmen für den Fall geplant, dass die Schuldenkrise soziale Unruhen auslöse. Bereits zu Beginn des Monats habe das Finanzministerium entsprechende Nachfragen bestätigt.

Sollte dies so sein, bestätigt damit erstmals eine Regierung der Europäischen Union, dass der Zusammenbruch des Euros inzwischen wohl nicht mehr vollends ausgeschlossen wird. Die Nachricht aus London dürfte die Finanzmärkte noch weiter verunsichern und die Refinanzierung der angeschlagenen EU-Staaten so gut wie unmöglich machen.

Nach Angaben des „Telegraph“ soll ein „ranghoher Minister“ gesagt haben, der Zusammenbruch des Euros sei lediglich noch „eine Frage der Zeit“. „Es ist in unserem Interesse, dass sie auf Zeit spielen“, zitiert die Zeitung den namentlich nicht genannten Minister. Damit sind offenbar die Staats- und Regierungschefs der Eurozone gemeint. „Dadurch haben wir mehr Zeit für unsere Vorbereitungen“, soll der Minister gesagt haben.

Der „Telegraph“ beruft sich zudem auf Analysten, die bereits vor geraumer Zeit vor den Folgen eines Euro-Zusammenbruchs gewarnt hätten. Ihnen zufolge würden „die Schockwellen eines solchen Ereignisses möglicherweise den Zusammenbruch des gesamten Finanzsystems“ bewirken. Banken wären dann nicht mehr in der Lage, Geld an private Einleger auszubezahlen.

In dieser Woche habe die britische Finanzmarktaufsichtsbehörde angewiesen, ihre Notfallpläne für den Fall eines Euro-Zusammenbruchs zu aktivieren. „Einige Wirtschaftsfachleute glauben, dass ein Zusammenbruch des Euro im schlimmsten Fall das Bruttoinlandsprodukt in den Mitgliedsstaaten halbieren und Massenarbeitslosigkeit auslösen könnte“, schreibt der „Telegraph“.

http://www.welt.de/politik/ausland/artic...eiten.html

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30.11.2011, 01:52 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 30.11.2011 01:53 von RaAkAshAriel.)
Beitrag #10
Die Furcht vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone hat Industrie und Handel erreicht: Der "Financial Times" zufolge spielen internationale Konzerne Szenarien für den Fall des Endes der Gemeinschaftswährung durch - und prüfen konkrete Maßnahmen.


Hamburg - Bislang machte sich vor allem die Finanzindustrie ernste Sorgen um die Zukunft der europäischen Gemeinschaftswährung - doch nun begreifen offenbar auch viele internationale Großunternehmen der Realwirtschaft ein mögliches Aus des Euro als ernsthafte Bedrohung für ihr Geschäft. Laut einem Bericht der "Financial Times" bereiten sich viele Konzernlenker intensiv auf ein solches Szenario vor, weil sie befürchten, dass die europäische Politik die sich verschärfende Schuldenkrise nicht in den Griff bekommt.

Die Zeitung stützt sich nach eigenen Angaben auf Dutzende von Gesprächen mit Managern global ausgerichteter Großkonzerne. Demnach versetzen die immer verzweifelteren Lösungsvorschläge für die Schuldenkrise die Führungskräfte in Alarmstimmung - etwa die Möglichkeit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) dem IWF Geld leiht, das dieser wiederum an notleidende Euro-Staaten weiterreicht. Auch der vor einigen Wochen öffentlich von Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ins Spiel gebrachte Austritt Griechenlands aus der Gemeinschaftswährung verstärke das Gefühl in den Spitzenetagen der Unternehmen, dass ein Auseinanderbrechen des Währungsraums Realität werden könnte.

Einer der Manager ist etwa Andre Morgan, Europa-Chef des weltgrößten Spirituosenkonzerns Diageo. "Wenn Länder aus dem Euro austreten, wird ihre neue Währung stark abgewertet, in der Folge werden Importmarken erheblich teurer", sagte Morgan der "Financial Times" - ein Problem für den Hersteller von Marken wie Smirnoff oder Johnnie Walker. Doch nicht nur die plötzlichen Preisgefälle stellen eine Gefahr für international agierende Unternehmen dar - auch die Auswirkungen auf bestehende Verträge oder Kreditvereinbarungen lassen viele Unternehmen laut dem Bericht derzeit juristisch prüfen.

Siemens hat bereits eine eigene Bank gegründet

Ein deutsches Industrieschwergewicht hat sich bereits umfassend auf eine Verschärfung der Euro-Krise vorbereitet: Siemens hatte bereits im vergangenen Jahr eine eigene Bank gegründet, die sich ausschließlich um die eigenen Finanzanlagen des Konzerns kümmert. Damit kann das Unternehmen nun direkt Geld bei der EZB anlegen - insgesamt sollen es bereits vier bis sechs Milliarden Euro sein, die Siemens auf diese Weise in Sicherheit gebracht hat. Im September wurde bekannt, dass der Konzern mehr als 500 Millionen Euro von einer französischen Großbank abgezogen und zur EZB transferiert haben soll.

Einige global operierende Unternehmen halten dem Bericht der "Financial Times" zufolge die Auswirkungen eines Auseinanderbrechens der Euro-Zone für beherrschbar. "Wir haben eine erste grobe Analyse angestellt, was passiert, wenn der Euro nicht mehr die Währung Portugals wäre", sagte Dieter Hoffmann, der Finanzchef der portugiesischen Volkswagen-Zweigs, der Zeitung. "Im Großen und Ganzen wären die Auswirkungen nicht allzu negativ, weil wir hauptsächlich exportieren und zudem Teil eines weltweiten Konzerns sind."

In der Finanzbranche sind die Vorbereitungen auf einen Euro-Crash hingegen schon viel weiter gediehen. So spielt etwa der Währungshändler CLS Bank Internationals mittels Stresstests das Auseinanderbrechen der Euro-Zone durch - das Unternehmen wickelt für 63 Banken den Währungshandel ab. Auch die japanische Nomura-Bank hat ihren Kunden geraten, ihre Staatsanleihen darauf hin zu prüfen, ob diese im Fall eines Euro-Austritts in die Landeswährung transferiert würden. Auch die HSBC soll Klienten vor der Möglichkeit eines Euro-Aus gewarnt haben.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unterne...73,00.html

Illusion ist ein Krückstock für all jene ohne Wurzeln in der Realität.



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